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MUDRA
Multimediapaket zur Österreichischen Gebärdensprache

MUDRA Geschichte und Entwicklung (1993 — 2002)

In Österreich leben ca. 9000 Menschen, die gehörlos sind, die Zahl der Personen mit beeinträchtigtem Hörvermögen liegt bei ca. 450.000.
Gehörlosigkeit bedeutet den Ausschluss von kommunikativen und damit sozialen Prozessen.
Eine eigene Form der visuellen Kommunikation, die Gebärdensprache, ist für diese Personengruppe unerläßlich.

MUDRA ist ein Multimedia Produkt der FISCHERFILM, vom Autor und Gestalter Wolfgang Georgsdorf erdacht und von Kurt Hennrich technisch umgesetzt.

Seit Anfang der 90er Jahre beschäftigt sich die FISCHERFILM mit interaktiven Medien.
Wolfgang Georgsdorf, Autor, Künstler und Filmemacher, mit dem schon einige Filmprojekte realisiert wurden, war von den Möglichkeiten der neuen Technik begeistert und brachte mit der Gebärdensprache einen geradezu idealen Inhalt für die neuen Techniken ein.
Bis jetzt wurde Gebärdensprache durch Bücher oder Video vermittelt, was mit zahlreichen praktischen Nachteilen verbunden war. Doch für die Gebärdensprache ist das Medium CD-Rom die ideale Form der anschaulichen Vermittlung und der ideale Weg für die Schaffung eines breiten Bewußtseins für Gebärdensprache.
Ermutigt von Gehörlosen, Dolmetschern und Betroffenen, die seit Jahren auf Förderung der Gebärdensprache, ihre Anerkennung und die Einlösung der verfassungsmäßig garantierten Grundrechte warteten, begannen wir 1993 mit der Arbeit an MUDRA und entwickelten eine erste Demoversion, mit der wir in die Finanzierungsverhandlungen für eine Weiterentwicklung gingen.
Erste Partner waren die Ministerien für Arbeit und Soziales, Jugend und Familie, Unterricht und kulturelle Angelegenheiten und für Wissenschaft Forschung und Kunst.
Besonderer Dank gilt neben vielen anderen Dr. Felicitas Pflichter, Dr. Karin Miller Fahringer Dr. Walter Heginger und Dr. Franz Huainig die das Projekt durch alle Projektphasen begleitet haben.
Von 1993 bis ´95 wurde ein erster Prototyp entwickelt, der beim Weltkongress der Gehörlosen in Wien 1995 präsentiert werden konnte. Die intensiven Erfahrungen bei diesem Weltkongress und vor allem die Auseinandersetzung mit der Kultur der Gehörlosen und der Sprachenvielfalt ließen uns immer tiefer in die Materie und Problematik eindringen. Es entstand die 90 minütige Dokumentation "Towards Human Rights" (Editor: Wolfgang Georgsdorf und Kurt Hennrich Produzent: Markus Fischer, ISBN 3-901677-00-3).
Auf Basis des Prototypen entwickelten wir zwischen 1995 und ´97 eine Betaversion (MUDRA 0.9). Schon während der Entwicklung wurde an uns immer wieder der Wunsch nach Standardisierung herangetragen. Für FISCHERFILM und Georgsdorf stand aber immer die Dokumentation und Aufzeichnung der Vielfalt und des Reichtums der ÖGS im Vordergrund — denn nur diese schafft die Basis zur Entwicklung einer "Hochsprache", die nur über die Akzeptanz der Gehörlosen zu einer Vereinheitlichung führt.
Ende 1997 stand die Betaversion mit über 1000 Gebärden, bei denen es mit 77 einen Dialektvergleich gab, für umfangreiche Tests bereit.

1998 - 2002 Vollversion
Die Aufgabe der Vollversion war die umfangreichste Gebärdenspracherhebung die in Österreich je stattgefunden hat und die Weiterentwicklung und Ausprogrammierung der Programmstruktur aus der Betaversion.
Die entscheidende Innovation der Vollversion ist der bidirektionale Zugang zur Gebärdensprache (Suche via Gebärdenform und via Wort). Die Umsetzung dieses Programmteiles, das die Suche nach Gebärden und deren lautsprachlicher Bedeutung über parametrische Eingabe ermöglichen sollte, war ein entscheidendes Argument der Finanzierung durch das Wissenschaftsministeriums und des ERP Fond/ITF Forschungsförderungsfond.
Ganz entscheidend für die Finanzierung der Vollversion waren neben den Ministerien für Arbeit und Soziales und für Unterricht und Kultur die Österreichischen Bundesländer. Durch eine subsidiäre Förderung haben sich alle Bundesländer bis auf Kärnten am Projekt beteiligt. Die Entscheidungsträger in der Kärntner Landesregierung waren offensichtlich an der Förderung einer weiteren Minderheitensprache im Land nicht interessiert.

Die Entwicklung des MSS
MUDRA Search for Signs, ein Programm das erstmals einen bidirektionalen Zugang zur Gebärdensprache ermöglicht, machte die Entwicklung einer funktionierenden Datenbank zur Erhebung und Eingabe aller gesammelter Daten und der Gebärdenparameter notwendig. Eine weltweite Innovation gelang durch die Umsetzung einer benutzerfreundlichen Bedienungsoberfläche abseits universitärer Forschung.

Im Sommer 98 begann die entscheidende Projektphase 1.0
Nach der Auswertung der Testergebnisse der Betaversionen begannen wir mit der Entwicklung der Szenerien und verfeinerten Erhebungsmethoden.
Mit Hilfe der Landesverbände der Gehörlosenvereine Österreichs haben wir kompetente Gewährspersonen für die Mitarbeit bei der Spracherhebung gefunden.
Innerhalb von einem halben Jahr wurden mit Hilfe von jeweils 3 gehörlosen Gewährspersonen pro Bundesland mehr als 45.000 Gebärden aufgezeichnet.
Geleitet wurden die Aufnahmen von Wolfgang Georgsdorf und Bertram Hellermann. An jeweils 3 Tagen wurden die gemeinsam übersetzten lautsprachlichen Begriffe durch eine Gewährsperson dargestellt und mit Video aufgezeichnet. Gleichzeitig kontrollierten die beiden anderen die korrekte Ausführung. Zwischendurch wurde lebhaft über Qualität der Gebärden und den Dialektvergleich diskutiert.
Aus arbeitstechnischer und finanzieller Notwendigkeit konnte der aufgezeichnete Wortschatz nur zur Hälfte bearbeitet werden. Für die erste Ausgabe blieben immerhin noch ca. 19.000 Gebärdenvideos zur Digitalisierung und Bearbeitung übrig.
24 Studenten beteiligten sich in Linz (Leitung Bertram Hellermann), in Berlin (Leitung Wolfgang Georgsdorf) und an der Fachhochschule Magdeburg (Leitung Prof. Dr. Jens Heßmann) an dieser Arbeit.
Wichtige Arbeitsschritte waren unter anderem: die Auswahl der repräsentativen Gebärdenvideos (Gebärdenvergleich) und die damit verbundene Reduktion auf ca. 9700 Gebärdenfilme, die Variantenbestimmung, die Bestimmung der weiteren Bedeutungen und die parametrische Bestimmung der Gebärden für den MSS.
Neben diesen inhaltlichen Weiterentwicklungen wurde ein komplettes Redesign der grafischen Oberfläche geschaffen und die Ergonomie und Benutzerfreundlichkeit massgebend verbessert.

Bis zur Serienreife sollte es - bedingt durch programmierungstechnische Weiterentwicklungen, plattformübergreifender technischer Probleme und Notwendigkeiten (Windows/MacOS), sowie auch finanzieller Engpässen - nochmals ein Jahr dauern.
Die ersten eingehenden Reaktionen der MUDRA — Anwender haben uns bestätigt, dass genau diese Arbeiten und die gewissenhafte Konfektionierung der Garant für ein problemloses Arbeiten sind.


Die Zukunft

MUDRA ist als offene Plattform programmiert und konzipiert. Dies ermöglicht jederzeit das Erweitern mit neuen Gebärdenvideos und den dazugehörigen Informationen.
Die Ziele der Zukunft sind:
  • die Qualitätsicherung von MUDRA
  • die Ausarbeitung der erhobenen und noch unbearbeiteten Gebärdenvideos
  • die Erarbeitung von Spezialgebärden (z.B. für die Berufs- und Weiterbildung)
  • der Ausbau der Homepage hin zu einer Internetplattform mit einer onlinefähigen Version von MUDRA.
  • der Weiterentwicklung möglicher 3-D Anwendungen für MUDRA.


  • Gefördert aus den Mitteln der Ministerien für Bildung, Wissenschaft und Kultur (Medienservice; Abt. VII/D/1), Soziale Sicherheit und Generationen, der Österreichischen Bundesländer und des ERP Fonds.

    © 2001 Fischer Film / Georgsdorf
    Buch und Regie: Wolfgang Georgsdorf
    Produktion: Markus Fischer
    Alle Rechte vorbehalten
    www.mudra.org
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