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Einführung in die Gebärdensprache
 
Gebärdensprache ist die Sprache, mit der sich Gehörlose schon seit jeher problemlos verständigen. Lange Zeit als unzulänglicher Ersatz für die gesprochene Lautsprache gering geschätzt und falsch verstanden, ist die Gebärdensprache linguistisch längst als eigene und vollständige Sprache nachgewiesen, eine Sprache mit einer komplexen Struktur und einer eigenständigen Grammatik. Gebärdensprache weist jene grundlegenden Eigenschaften auf, die von der Sprachwissenschaft für alle Sprachen postuliert werden.
Entgegen einer weit verbreiteten Ansicht ist Gebärdensprache keine universale Sprache, es gibt verschiedene nationale Gebärdensprachen, sogar verschiedene regionale Dialekte, die tief in der jeweiligen Kultur verwurzelt sind.
Ein Kind, das Gebärdensprache als Muttersprache lernt, wendet ähnliche Strategien an wie ein Kind, das Lautsprache lernt. Ob die einzelnen Gebärden bildhaft sind oder nicht, spielt beim Erlernen der Sprache keine Rolle. Die Bildhaftigkeit und die Bindung an das Konkrete sind ein weiteres Vorurteil, das der Gebärdensprache anhaftet. Es sind jedoch höchstens die Hälfte oder ein Drittel der Gebärden ikonisch, und abstrakte Begriffe können genauso gut ausgedrückt werden wie konkrete.
Lexikalische Beschränkungen von Gebärdensprache ergeben sich aufgrund mangelnder sozialer und kultureller Entfaltungsräume. Sie können überwunden werden, wenn Gehörlosen der Zugang zu neuen Lebensbereichen und Wissensgebieten eröffnet wird. Ausdrucksgrenzen von Gebärdensprache erweisen sich immer wieder als sozial bedingt und sind keineswegs durch die Sprache selbst begründet.
Die Ausprägung eines eigenen Sprachbewusstseins führt zu neuem Selbstwertgefühl bei Gehörlosen, die in einer überwiegend hörenden Welt davon reichlich gebrauchen können.
Gehörlose verstehen sich als Sprachminderheit und es wäre nur natürlich, dies von Seiten der hörenden Gesellschaft zu berücksichtigen und Wege zur Kommunikation und zum Aufbau von Beziehungen zu finden.
Gebärdensprachen sind visuell-manuelle Sprachen, die im dreidimensionalen Gebärdenraum realisiert werden und - wie gesprochene Sprachen - auf unterschiedlichen Ebenen linguistisch strukturiert sind. Zu diesen Ebenen zählen z.B. Grammatik, Spracherwerb, Dialekte oder Lernpsychologie.
Die einzelnen Gebärdenzeichen bestehen aus manuellen und nicht-manuellen Komponenten.
 
Manuelle Komponenten
• Handform
• Ausführungsstelle
• Handstellung
• Bewegung
Alle Gebärdenzeichen setzen sich aus diesen vier Teilelementen zusammen. Durch die Veränderung nur eines dieser Elemente lässt sich die Bedeutung einer Gebärde verändern.
 
Nicht-manuelle Komponenten
• Mimik
• Körperhaltung
Nicht-manuelle Komponenten werden zur Betonung und Hervorhebung genützt, sowie in der Grammatik verwendet. Mit ihrer Hilfe werden z.B. nicht-manuell ausgedrückte Adjektive und Adverbien (dick, groß,....), nicht-manuelle Ausdrucksformen von Satztypen (Fragesatz,....) sowie direkte und indirekte Satzstellung ausgedrückt.
 
Gebärdet wird im sogenannten Gebärdenraum, der sich vor dem/der Gebärdenden befindet. Viele Gebärden beziehen den Körper des/der Gebärdenden mit ein. Zu den wichtigsten Ausführungsstellen am Körper zählen Kopf, Gesicht und Rumpf.
Die Ausführungsgröße der Gebärden kann variieren und ist mit dem lautsprachlichen Flüstern und Schreien vergleichbar.
  Die Produktion der einzelnen Gebärdenzeichen beansprucht zwar ungefähr doppelt so viel Zeit wie die Produktion von Wörtern, doch durch die Nutzung des Raums und der Möglichkeit, Aktionen gleichzeitig auszuführen, liegt in Gebärden stärkere Ausdruckskraft als in lautsprachlichen Worten. Daher werden nur etwa halb so viele Gebärden wie Wörter benötigt, um den gleichen Inhalt zu transportieren.

 

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